Die Gründung des Turnvereins Schäftlarn, wie er zu Beginn hieß, erfolgte von neu
zugezogenen und alteingesessenen Bürgern aus dem Drang nach Bewegung und in der
Absicht, durch körperliche Ertüchtigung mit der Not in der damaligen Zeit der
Wirtschaftskrise fertig zu werden.
Fünf Jahre nach der Gründung ging der Trend vom reinen Turnen
zu den Spielsportarten. Es bildeten sich die Sparten Leichtathletik, Faustball
und Skisport. Nach weiteren zehn Jahren kam die totale Wende, das Turnen rückte
in den Hintergrund - die Fußballer eroberten den TSV. So gesehen hat die Abteilung
Fußball heuer mindestens ihr sechzigstes Jubiläum: unser Glückwunsch! Im Jahre
1956 erwachte das Turnen wieder aus dem Dornröschenschlaf: Man turnte in
einem Saal einer Wirtschaft, dem Kapuzinersaal, was aber kein Dauerzustand sein
konnte. Der Rufnach einer Turnhalle wurde lauter, anfangs aber aus finanziellen
Gründen nicht erhört. Ab Oktober 1960 durfte die Turnhalle des Klosters
Schäftlarn benutzt werden, die aber nicht ausreichte. Der geplante Bau einer
Turnhalle an der Neufahrner Straße durch die Gemeinde Mitte der 60er Jahre
wurde nicht realisiert. Das Turnen fand eine neue
Heimstätte im Jahr 1972 in der neu gebauten Turnhalle der Grundschule in
Ebenhausen. War in der Gründungszeit das Turnen vornehmlich Männersache, so
wurde es seit den 70er Jahren nun überwiegend von den Damen ausgeübt.
Geleitet wurde es damals von Friedel Berger, anschließend lange Zeit (16 Jahre
von 1973 bis 1990) von Christel Stegmann zusammen mit Renate Schleifer,
die 24 Jahre von 1970 bis 1994 Frauen jeden Alters trainierten.
Zur Turnhalleneröffnung startete im Herbst 1972 die
Skigymnastik. Im ersten Jahr leitete sie Hermann Wagenhäuser, danach sein Bruder
Werner. Er führte auch im Jahr 1978 Gymnastikstunden ein.
Nicht zu vergessen ist auch das Kinderturnen, das seit
1978 für fast 30 Jahre von Helga Zimmermann geleitet wurde.
Seit 1973
wird von der Turnabteilung auch das Bayerische und Deutsche Sportabzeichen
abgenommen. Verantwortlich hierfür war von Anfang an die Familie Schuh. Von 1973
bis 1980 nahm Leonhard Schuh das Abzeichen ab, nach seinem Tod führte
seine Frau Gertrud die Aufgabe fort. Erich Rühmer nahm sich beim Abzeichentraining
von 1971 bis 1989 der Kinder an. Nicht zu vergessen als Helfer ist auch
Pfarrer Krödel. Die Frau, die im Verein mit Abstand die meisten Sportabzeichen
erwarb, ist Liselotte Kaluza. Bereits seit 26 Jahren schaffte sie die hohen
Anforderungen in den einzelnen Disziplinen "mit links". Lilo ist jedoch
nicht nur als Sportlerin aktiv, sie leitete auch lange Jahre die Seniorengymnastik,
bis sie dieses Amt an Hannelore Dresbach übergab.
So aktiv die Turner in ihrer Sportart waren, so passiv waren
sie in der Vertretung ihrer Abteilung im Gesamtverein. Dies war der Grund, warum
sie im Jahr 1993 mit einer Abteilung "fusionierten", die eine
der jüngsten der Vereinsgeschichte war: die Abteilung Breitensport. Es entstand
die Abteilung BGT, Synonym für "Breitensport - Gymnastik - Turnen".
"Schuld" an der Gründung war ein Name, der von Beginn an bis jetzt das
Herzstück der Abteilung ist: Werner Wagenhäuser. Er organisierte 1976,
damals noch für die junge Mannschaft, regelmäßige Lauftreffs. Der Zuspruch war
so groß, dass er sich im Jahr 1980 entschloss, einen Volkslauf durchzuführen.
Am 06.07.1980
wurde der erste Lauf unter der Schirmherrschaft des TSV gestartet. Siebzig
Teilnehmer liefen die 10-km Strecke. Die Veranstaltung wurde ein großer Erfolg.
Durch die gute Zusammenarbeit von Werner und dem Verein wurde die Abteilung
Breitensport gegründet. Die Lauftreffs sind im Sommer noch immer ein fester
Bestandteil im Vereinsgeschehen. Allerdings nicht die Volksläufe, die in den
Jahren 1980 bis 1985 mit bis zu 340 Teilnehmern immer rege Anerkennung fanden,
aber dann organisatorisch nicht mehr durchführbar waren.
In unregelmäßigen Abständen werden Orientierungsläufe sowie Läufe für Kinder
und Jugendliche veranstaltet. Organisiert werden auch Touren mit dem Rennrad'l
und dem Bergrad'l, dem Mountainbike. Auch hier zeichnet Werner verantwortlich.
"So
nebenbei" nahm Werner selbst sehr erfolgreich an Laufwettbewerben teil und
war Anfang der 80er Jahre einer der ersten, der sich an den Triathlon
(Schwimmen-Radfahren-Laufen) wagte. Dabei soll auch Eugen Müller nicht unerwähnt
bleiben, der sich einen Namen im Berglauf machte. Diese Erfolge der beiden waren
der Auslöser, dass immer mehr Breitensportler an Wettbewerben teilnahmen. Es
bildete sich eine kleine "Aktivengruppe", die sich für den Verein an
Läufen, Duathlons und Triathlons beteiligt.
Besonders hervorzuheben ist dabei neben dem Werner auch
Michael Sewald, der regelmäßig vordere Plätze in seiner Altersgruppe errang,
ebenso Ursula Wagenhäuser, die vor drei Jahren oberbayerische Meisterin ihrer
Altersklasse im Duathlon (5 km Laufen - 30 km Radeln - 5 km Laufen) wurde.
Am Sternlauf zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Stuttgart 1993 nahm
eine kleine Schar von Begeisterten teil und verstärkte die "Aktivengruppe".
Ursula war es dann wiederum, die 1994 von Renate Schleifer die Damengymnastik
übernahm. Sie unterstützt den Werner auch in der allgemeinen Gymnastik, die er
ganzjährig montags und im Winter auch donnerstags leitet. Im Lauf der letzten
Zeit schafften es die beiden, die reine Gymnastik zu "würzen" mit
Aerobic-, Stretching- und Step-Elementen in Koordination mit Musik.
Die steigende Teilnehmerzahl an den Übungsabenden zeigt,
dass das Rezept der Wagenhäuser's Erfolg hat. Um die Gymnastik stets aktuell und
fachgerecht durchzuführen, besuchen beide Fachkurse und Fortbildungsseminare. Ihnen
beiden und allen anderen erwähnten und (aus Platzmangel) unerwähnten Aktiven
ist es zu verdanken, dass der Buchstabe "T" des TSV, nämlich das
Turnen, auch nach 75 Jahren eine große Rolle im Vereinsleben spielt, und dabei
soll es auch bleiben.